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Plädoyer für den Erhalt eine Denkmals

01.Februar 2004

Immer mehr der filigranen historischen Brückenbauten mit ihren schmiede- oder gusseisernen Säulen verschwinden aus dem Stadtbild. Zumeist ohne großes Aufsehen in der Bevölkerung. Mit ihnen gehen wichtige Zeugnisse der Geschichte unwiederbringlich verloren.

Modernisierung macht auch vor Denkmälern nicht halt

Die Kunsthistorikerin Dr. Larissa Sabottka zog 1999 in ihrer Dissertation „Die eisernen Brücken der Berliner S-Bahn“ eine ernüchternde Bilanz: „Modernisierungen und Umbauten haben in Berlin in den letzten zehn Jahren mehr historische Eisenkonstruktionen verschwinden lassen, als in den letzten 100 Jahren davor“.

 
Der Zahn der Zeit nagt an der Stadthausbrücke

Der Zahn der Zeit nagt an der Stadthausbrücke
Foto:C.Wolters

 
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So fielen zum Beispiel der Sanierung des Südrings zehn der ehemals dreizehn historischen Brücken zum Opfer, lediglich drei Brücken wurden instand gesetzt. Ähnlich sieht es nach der Sanierung auf dem Nordring aus. Auch die Stadtbahntrasse büßte fast alle historischen eisernen Brückenbauten ein.

Die Eintragung zahlreicher Brücken in die Denkmalliste hatte also nicht viel genutzt.
Die gesamte zwölf Kilometer lange Stadtbahntrasse sowie fast 30 Brücken waren von der Wende bis 1995 in die Berliner Denkmalliste eingetragen worden.

Das Ausmaß der Abrisswelle überrascht jedoch nicht. Erklärte die Bahn doch schon 1993, dass „die Aufwertung der Brücken zu Denkmalen ihre Planung kaum tangieren werden“
( siehe Berliner Morgenpost vom 24.März 1993, Seite 15 ).

Veränderte Nutzungsbedingen lassen oft aber auch keine andere Wahl. Die Brücken sind ständig wachsenden Beanspruchungen ausgesetzt. Auf vielen Strecken rollen heute alle drei Minuten Züge über die Brücken. Oft würde aber auch nach einer „denkmalgerechten Sanierung“ nicht viel von dem Denkmal übrig bleiben. Die heutigen Sicherheitsmaßstäbe erfordern häufig den Ersatz zu vieler Bauteile.

Und natürlich ist der Austausch der eisernen Brücken gegen technisch-funktionale Zweckbauten aus Beton schlicht wirtschaftlicher.

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„Prädikat erhaltenswert“

Dennoch: Aus denkmalpflegerischer Sicht sind die eisernen Brücken erhaltenswert.
Dr. Larissa Sabottka betont in ihrer oben zitierten Dissertation, „dass diese Brücken alle erdenklichen denkmalpflegerischen Kriterien erfüllen, die ihre Erhaltungswürdigkeit – oder gar Notwendigkeit – begründen können“.
So sind diese Brücken zum Beispiel „technikgeschichtliche Denkmäler“. Sie spiegeln den Stand der Technik vergangener Epochen und die Entwicklung des Ingenieurbaus wider. Dies gilt übrigens ganz besonders für die Pendelsäulen der Stadthausbrücke. Diese sogenannten Hartungschen Säulen wurden in den zeitgenössischen Konstruktionslehren als Vorbilder beschrieben.

Auch der städtebauliche Wert der Hartungschen Säulen ist nicht zu verkennen. Ende des 19.Jahrhunderts fanden beim Bau der Berliner Eisenbahnbrücken überwiegend diese Säulen Verwendung.
Die Hartungschen Säulen prägten nicht nur das Bild der Stadtbahn, sie prägten das Stadtbild Berlins.

Wenn auch nicht die gesamte Stadthausbrücke erhalten werden kann, wäre es doch eine sehr gute Lösung, wenn wenigstens ihre zwölf Pendelsäulen dem Kiez als „Denkmal für ein Denkmal“ erhalten blieben. Dies sehen auch sehr viele Anwohner der Victoriastadt so!

Und was den Brückenneubau aus Beton betrifft: Hatte das Bauhaus uns nicht gezeigt, daß „technisch-funktional“ und „künstlerisch wertvoll“ kein Gegensatz sein muss ?


Quelle und Literaturtip:

Larissa Sabottka
DIE EISERNEN BRÜCKEN DER BERLINER S-BAHN
Bestandsdokumentation und Bestandsanalyse
Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin
Gebr. Mann Verlag Berlin
ISBN:3786124639
88,- Euro


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